Labyrinthanästhesie bei Morbus Meniere

Labyrinthanaesthesie beim Morbus Menière

Laut Aussagen vieler Anwender und Betroffener kann die Labyrinthanästhesie beim Morbus Menière eine vielversprechende Therapieoption sein. Sie ist nahezu unproblematisch bei der Menièreschen Erkrankung anwendbar und führt nach Angaben der Befürworter und einiger Patientenberichten zu einer Schwindelkontrolle von bis zu zwei Jahren.

Labyrinthanaesthesie Morbus Meniere

Bekannter ist das Therapieverfahren, bei dem Gentamicin in das Mittelohr gespritzt wird, welches ich auch in meiner Praxis anbiete. Die meisten Patienten schrecken jedoch vor dieser Methode zurück, da durch die Gentamicintherapie beim Morbus Menière das Gleichgewichtsorgan dauerhaft ausgeschaltet wird. Da helfen auch die Argumente, dass es sich um ein sicheres Verfahren handelt wenig. Wenn die Patienten hören, dass das Vestibulargan dauerhaft geschädigt wird, fragen sie sofort nach anderen Alternativen.

Nicht desto trotz wende ich die Gentamicin-Therapie sehr gerne und auch mit Erfolg an. Hörstörungen sind in meinem Patientengut noch nicht aufgetreten. Sämtliche Patienten waren und sind über einen längeren Zeitraum (aktuell der längste 24 Monate) nahezu schwindelfrei.

Eine Alternative zur „endgültigen Vergiftung“ des Gleichgewichtsorgans stellt die Labyrinthanästhesie dar. Sie ist eine wirklich einfach durchzuführende und auch gut verkraftbare Alternative zur Gentamicintherapie, allerdings führt sich nicht so regelmäßig zum Erfolg. Ich kann von sehr positiven Verläufen berichten und auch von solchen, bei denen es nicht gewirkt hat. Ein Patient brachte es auf tatsächlich sechs Jahre Anfallsfreiheit nach einer einmaligen Anwendung. Im Schnitt werden in der Literatur aber deutlich andere Zahlen genannt.

In den offiziellen Empfehlungen zur Behandlung des Morbus Menière finden sie keine Erwähnung dieser seit Jahrzehnten angewandten Methode. Das liegt daran, dass die bisherigen Studien einer bestimmten Form nicht genügten und somit auch keine sichere Wirksamkeit begründen konnten.

Studien zur Labyrinthanästhesie

Es wurden bisher - nach meinem Wissen - keine sogenannten prospektiven, placebokontrollierten, doppelblinden Studien an einer größeren Anzahl Patienten durchgeführt, sodass über die Evidenz dieser Methode keine sicheren Aussagen getroffen werden können.

Allerdings wurde über das Standardmedikament Betahistin eine solche "evidenzbassierte" Studie gemacht und dabei kam heraus, dass Betahistin weder in der Standarddosis noch in der aus München propagierten massiven Überdosis wirkt.

Es wird aber dennoch empfohlen, da viele Menière Patienten positiv darauf reagieren. Ich weiß, das alles ist schwer verständlich. Aber trösten sie sich, ich verstehe die Welt auch nicht immer. ;-)

Jedoch gibt es retrospektiven Studien, die ich hier kurz zitieren möchte:

Aus dem Jahr 2003 stammt diese schöne Studie aus Frankfurt von den Kollegen Adunka und Moustaklis et. Al [1], die 47 Patienten behandelt und im Nachhinein 24 davon betrachtet haben, da sich die restlichen nicht mehr meldeten. Einige dieser 24 mussten mehrmals behandelt werden.

16 Patienten (66 Prozent) hatten im Schnitt zwei Jahre keine Schwindelanfälle mehr. Weitere 5 Patienten (20,8 Prozent) berichteten von einer spürbaren Verbesserung der Anfälle, insbesondere waren die Anfälle danach nicht mehr so schwer. Die restlichen drei Patienten zeigten keine Verbesserung der Symptome.

Bei dieser Studie wurde somit eine Wirksamkeit bei 80 Prozent der untersuchten bestätigt. Als Nebenwirkung wurden bei jedem Patienten ein leichter Schwindel beschrieben, der bis zu 3 Tagen anhalten kann. Eine vorübergehende Hörstörung wurde von lediglich 3 Patienten angegeben.

Diese Ergebnisse decken sich mit den Erfahrungen aus meinem Patientengut in meiner Praxis.

Labyrinthanästhesie in meiner Praxis

Seit längerem führe ich in meiner Praxis die Labyrinthanästhesie beim Morbus Menière mit ähnlichem Erfolg durch. Niemand soll denken, dass dies ein "Allheilmittel" für den Morbus Menière ist. Es ist einfach nur eine weitere Option für die, denen sonst keiner zuhört. Ich bin stolz und froh diese Behandlungsoption anbieten zu können. Nein, es funktioniert nicht bei jedem, aber bei vielen.

Vor einer Labyrinthanästhesie werden selbstverständlich sämtliche notwendigenTestverfahren für das Hör- und Gleichgewichtsorgan durchgeführt. Ist dann die Entscheidung gemeinsam gefallen, vereinbaren wir einen Termin zur Durchführung.

1-2 Stunden vor der Behandlung empfiehlt sich die Einnahme einer Tablette Vomex, damit die akuten Gleichgewichtsstörungen nach der Injektion abgemildert werden. Das Ohr wird lokal mit einem kleinen Schwämmchen betäubt und nach einer viertel Stunde begeben sie sich in den Behandlungsraum. Die eigentliche Injektion dauert keine Minute und wird von den meisten Patientenhervorragend toleriert. Nur die wenigsten klagen über leichte Schmerzen. Danach kommt es zu einem leichten - durch die Injektion bedingten - Drehschwindel über eine Minute.

Danach bleiben sie noch ca. 20 Minuten auf der gesunden Seite liegen und danach können sie bereits nach Hause gehen.

Welche Nebenwirkungen sind bei der Labyrinthanästh

Bereits während sie auf der gesunden Seite liegen kann es zu einem unterschwelligen Schwindelgefühl kommen. Nicht jeder nimmt dies wahr. Erst wenn sie sich nach 20 Minuten aufrichten merken sie, dass das Gleichgewicht etwas getrübt ist. Die Patienten ziehen es vor, danach nach Hause zu gehen und eventuell etwas zu schlafen. Nach dem erholsamen Schlaf geht es den meisten wieder gut, ohne dass sie weiter beeinträchtigt sind. Ein Patient ging abends sogar wieder tanzen.

Rechnen sie aber bitte mit einem Schwindelgefühl, welches bis zuzwei bis drei Tagenanhalten kann.

In manchen Studien wird von einer passageren Hörminderung gesprochen. In meinem Patientengut konnte ich das bisher noch nicht beobachten. [2]

Wie oft muss die Behandlung wiederholt werden?

Wenn es wirkt, dann wirkt es bereits nach einer Injektion. Es kann sein, dass man die Prozedur nach vier Wochen wiederholen muss, wenn keine ausreichende Wirkung erzieltwurde. Sollte auch die dritte Injektion keine Besserung zeigen, dann ist das nicht das richtige Verfahren für sie.

Erfolgsaussichten der Labyrinthanästhesie

Laut der zur Verfügung stehenden Literatur kann in 70-80 Prozent [1, 3]der Fälle von einem Erfolg ausgegangen werden.

Ich mag diese Voraussagen oder Efolgsaussichten nicht besonders, daher kann ich auch keinem Patienten den Erfolg garantieren. Das Einzige, was ich jedem garantieren kann : Ich gebe für jeden Patienten mein Bestes!

Für den Patienten ist bei jeder Behandlung die Chance bei 50 Prozent. Entweder die Therapie wirkt bei ihnen oder eben nicht.

Die Injektionen ins Ohr gehen jedoch mit sehr geringen Risiken einher. Ich führe die Therapie seit fast 15 Jahren durch und bezeichne sie als sichere Therapieoption bei Hörsturz, Tinnitus und Morbus Menière.

Vielleicht möchten Sie diese Therapieoption beim Morbus Menière gerne einmal ausprobieren, dann vereinbaren Sie bitte einen Termin und wir schauen gemeinsam, ob dieses Verfahren eine Option für Sie darstellt.

Leider ist die Labyrinthanästhesie keine Leistung der gestezlichen Krankenkasse und muss ihnen mit 50 Euro in Rechnung gestellt werden.

Literatur

1. Adunka O, Moustaklis E, Weber A, May A, von Ilberg C, Gstoettner W, Kierner AC (2003) Labyrinth anesthesia--a forgotten but practical treatment option in Ménière’s disease. ORL J Oto-Rhino-Laryngol Its Relat Spec 65:84–90 . doi: 10.1159/000070771

2. Eiji Sakata, Naoko Itoh, Akinori Itoh, Hiroshi Nakazawa, Koki Nakaigawa, Yasuo Itoh, Yukari Uchida, Yoshihiro Nakano,, Kazuhiro Teramoto, Kanji Baba, Issei Tsujimoto and Yasuhiro Murata Comparative Studies of the Therapeutic Effects of Inner Ear Anesthesia and Middle Ear Infusion of a Steroid Solution for Meniere Disease. doi: https://doi.org/10.5631/jibirin.80.57

3. Patel M, Agarwal K, Arshad Q, Hariri M, Rea P, Seemungal BM, Golding JF, Harcourt JP, Bronstein AM (2016) Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Ménière’s disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial. The Lancet 388:2753–2762 . doi: 10.1016/S0140-6736(16)31461-1