Intratympanale Kortikoidtherapie

Neue Hilfe bei Hörsturz

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Vielleicht leiden gerade Sie unter einem Hörsturz oder einem akuten Tinnitus und haben gerade die Initialtherapie mit einem absteigendem Kortisonschema hinter sich. Eventuell hat diese bisherige Therapie zu keiner oder einer nur geringfügigen Verbesserung ihres Hörvermögens geführt.
Bislang war nach einer erfolglosen Infusionstherapie bei Hörsturz- und Tinnitus-Patienten nur die Möglichkeit einer durchblutungfördernden Therapie mit Tabletten wie Trental oder Gingko möglich.
Jetzt kann diesen Patienten und Betroffenen wieder Hoffnung gegeben werden. Wir können Ihnen eine weiterführende Therapie anbieten!

Die Rede ist von der intratympanalen Kortikoidtherapie (ITC)

Bei der intratympanalen Kortikoidtherapie (ITC) wird eine Mischung aus Kortison und Hyaloronsäure nahezu schmerzlos durch das betäubte Trommelfell ins Mittelohr injiziert.

Auf den ersten Blick wird es sie erschrecken, dass man ein Medikament direkt ins Ohr spritzen kann. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung – ich wende das Verfahren seit 2005 bei hunderten Patienten an – kann ich Ihnen sagen, dass die Angst bereits nach der ersten Injektion verflogen ist.

Ungefähr seit der Jahrtausendwende wird die intratympanale Kortikoidtherapie (ITC = Injektion von Kortison direkt ins Mittelohr) von der Wissenschaft untersucht. Dank Prof. Dr. med. Dr. mult. W. Mann aus der Uniklinik in Mainz wurde die intratympanale Kortikoidtherapie in Deutschland verbreitet.

Die Logik, die hinter der ITC steht, ist für jeden klar verständlich:
"Ich spritze das wirksamste Medikament direkt dorthin, wo es gebraucht wird!"

Und dabei gelangt das so oft gefürchtete Kortison nicht einmal in die Blutbahn und führt auch nicht zu den typischen Nebenwirkungen. Die intratympanale Kortikoidtherapie ist sogar bei Patienten anwendbar, bei denen man mit Kortison nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten kann – wie Diabetiker und Herzkranke!

Vortrag ITC auf Youtube ca. 25 Minuten

Intratympanale Kortikoidtherapie beim Hörsturz

Im Juni 2010 wurde diese neue Therapieform erstmals in den Leitlinien zur Behandlung des Hörsturz von der Deutschen Gesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte veröffentlicht.

Mit diesem Dokument lagen Richtlinien auf dem Tisch die den HNO Ärzten und Betroffenen eine klare Therapieoption bieten.

Die intratympanale Kortikoidtherapie ist eine neue, erfolgreiche Methode bei der Behandlung des Hörsturz, akuten Tinnitus mit Hörstörung und dem Morbus Menière.

Alle drei genannten Krankheiten werden in der Akutphase mit hochdosiertem Kortison über die Vene behandelt. Sei es als Infusion oder als Spritze. Bei ausbleibender Besserung war man vor einigen Jahren noch überzeugt, dass durchblutungsfördernde Infusionen zu einer Besserung führen können. Diese erfolgten dann oft stationär im Krankenhaus.

Mittlerweile weiß man, dass gerade die Infusionen mit dem Wirkstoff „HAES“ eine geringe, bis überhaupt nicht vorhandene Wirkung zeigen, aber dafür mit Nebenwirkungen glänzten. Daher sind seit ca. 2013 diese Infusionen bei Hörsturz, Tinnitus und Morbus Menière obsolet und sollten nicht mehr verwendet werden. In der neuen Leitlinie aus dem Jahr 2014 werden die durchblutungsfördernden Medikamente wie HAES oder Trental nicht mehr empfohlen.

Bei der intratympanalen Kortikoidtherapie wird Kortison mithilfe einer Spritze direkt durch das Trommelfell in das Mittelohr gespritzt. Das wird sich für Sie gerade etwas bestialisch anhören, es ist aber ein wirklich harmloses Verfahren. In der Hand eines Fachmanns verursacht die intratympanale Kortikoidtherapie normalerweise kaum Schmerzen.

Seit nunmehr 15 Jahren erforscht man die intratympanale Kortikoidtherapie und es stellte sich heraus, dass diese Methode nicht nur als Ersatztherapie, sondern auch als Primärtherapie sehr erfolgreich ist. Die intratympanale Kortikoidthearpie (ITC) hat mittlerweile ihren festen Platz in der Behandlung des Hörsturz und des Morbus Menière.

Seit 2005 führe ich in meiner Praxis diese Therapie sehr erfolgreich durch und konnte vielen Betroffenen helfen. In den letzten 10 Jahren kann ich somit auf über 300 Patienten und auf über 1400 Injektionen zurückblicken. In den meisten Fällen war die Behandlung erfolgreich. Nennenswerte Komplikationen habe ich nicht beobachten können.



Gelegentlich geschehen bei der intratympanalen Kortikoidtherapie (ITC) sogar ein paar kleine „Wunder“:

Ich erinnere mich an eine Frau, die seit 2 Jahren aufgrund eines Hörsturzes unter einer einseitigen Hörstörung, Schwindel und Tinnitus litt. Sie wurde von einem Kollegen optimal behandelt und war bereits mit einem Hörgerät versorgt, aber dennoch war sie mit ihrem Zustand nicht zufrieden. Sie hat von der „Spritze ins Ohr“ gehört und bat mich um die Durchführung dieser Behandlung. Ich erklärte ihr, dass es wahrscheinlich keinen Sinn mache, die Injektionen durchzuführen, denn nach so einer langen Zeit macht eine medikamentöse Therapie keinen Sinn mehr.

Ich hatte die Therapie bei einem anderen Patienten 6 Monate nach seinem Hörsturz durchgeführt und konnte damit das Hören tatsächlich nach so einem langen Zeitraum wieder verbessern. Nach zwei Jahren sah ich jedoch kaum Erfolgsaussichten. Dennoch willigte ich ein und führte die Behandlung ohne Erfolgsversprechen durch. Nach fünf Injektionen und einer kleinen Nachwirkzeit war das Hörvermögen wieder komplett vorhanden, der Schwindel und der Tinnitus verschwunden. Das Hörgerät lag ab sofort in der Schublade.

Dieses „Wunder“ ist natürlich nicht die Regel, jedoch kommen auch sehr selten mutige Patienten mit einer so klassischen Krankheitsgeschichte in meine Praxis.

Die intratympanale Kortikoidtherapie in der Praxis

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Die Intratympanale Kortikoidtherapie (ITC) erfolgt nach lokaler Betäubung des Gehörgangs und des Trommelfells. Dazu wird in den Gehörgang und vor das Trommelfell ein kleines, mit Betäubungsmittel getränktes, Schwämmchen gelegt. Viele sagen später,dass es „das Schlimmste“ an der Behandlung sei, da es manchmal Zwicken kann. Das Schwämmchen bleibt dort für 10-15 Minuten liegen.

Dann legt sich der Patient auf eine Liege und unter mikroskopischer Sicht spritze ich das Kortison durch das Trommelfell ins Mittelohr. Dabei kontrolliere ich genau, wie viel der Lösung in das Mittelohr gelangt. Die Injektion dauert nur einige Sekunden und wird äußerst selten als schmerzhaft empfunden.

Beim ersten Mal sind die Patienten natürlich noch etwas aufgeregt und können sich trotz aller Worte nicht vorstellen, dass eine Spritze ins Ohr eigentlich kaum Schmerzen verursacht. Bei der zweiten Behandlung nach 2-3 Tagen sind sie schon viel entspannter.

Dann legt sich der Patient für 20 Minuten auf die gesunde Seite und entspannt sich. In manchen Fällen kann durch die Reizung ein kurzer Schwindel auftreten, der nach ein paar Sekunden wieder verschwindet. Es kommt gelegentlich vor, dass sich die Patienten so entspannen, dass sie sogar einschlafen.

Die intratympanale Kortikoidtherapie (ITC) führe ich fünf Mal im Abstand von 2-3 Tagen durch. Nach fünf Injektionen wird ein Kontrollhörtest durchgeführt. Oft kann man dann schon den positiven Effekt erkennen.

Die intratympanale Kortikoidtherapie wirkt aber noch nach! Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich freue mich zwar mit dem Patienten, wenn bereits nach 5 Injektionen ein positiver Effekt zu beobachten ist, aber den letztendlichen Erfolg kann man erst nach ca. 4 Wochen beurteilen.

Was bedeutet Erfolg bei der ITC?

Eine komplette Erholung des Hörorgans ist immer mein Ziel. Das bedeutet, dass der Patient wieder auf beiden Seiten „normal“ hört, der Druck vom Ohr verschwunden ist und das „verzerrte Hören“ wieder entzerrt ist. Der Tinnitus sowie der Schwindel sollten wieder verschwunden sein.

Das gelingt natürlich nicht immer, aber sehr oft.

Stellen Sie sich mal vor, wie es ist unter einem verzerrten Hören, einem Druck im Ohr, einem Tinnitus oder einem Schwindel zu leiden. In vielen Fällen gibt es nicht nur eines dieser Symptome, sondern gleich eine Kombination daraus.

Im Einzelfall ist es schon hilfreich, wenn sich der Tinnitus wieder beruhigt oder das verzerrte Hören wieder verschwunden ist. Manche sind sicherlich auch schon zufrieden, wen der lästige Druck im Ohr nachgelassen hat.

Die intratympanale Kortikoidtherapie (ITC) hat sich in meiner Praxis mehr als nur bewährt. Sie ist zu einem festen Bestandteil der Therapie geworden. Ich danke vor allem Herrn Professor Dr. W. Mann aus Mainz dafür, dass er uns die Methode 2005 vorgestellt hat und bis heute zur Erforschung beiträgt.

Ich konnte Ihnen mit diesem Artikel hoffentlich einige Ängste nehmen. Sollte Ihnen Ihr Hals- Nasen- Ohrenarzt zur intratympanalen Kortikoidtherapie raten, so willigen sie bitte ein und freuen sie sich darüber, dass es diese wundervolle Therapiemöglichkeit gibt.

Sonderfall Morbus Menière

Der Morbus Menière ist eine wirklich belastende Erkrankung, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht. Klassisch leiden die Patienten unter immer wiederkehrenden Hörstörungen, Schwindel und Tinnitus.

Den Menière zu diagnostizieren ist nicht einfach und dennoch fühlen sich viele dazu berufen. Nicht selten kommen Patienten zu mir und berichten, dass Sie aufgrund eines Schwindels stationär im Krankenhaus waren – ohne HNO Abteilung – und dort hätte man festgestellt, dass sie unter einem „Morbus Menière“ leiden. Das trauen sich die Jungs und Mädels Doktoren sogar in den Arztbrief zu schreiben. Lieber Leser, ohne eine HNO Abteilung mit der entsprechenden Diagnostik und Erfahrung sollte man niemals die Diagnose eines Morbus Menière stellen. Dadurch werden vor allem im Zeitalter des Internets die Betroffenen verunsichert und wie vor den Kopf geschlagen.

Die Kollgegen verunsichern die Patienten mit der Diagnose „Morbus Menière“ und lassen sie damit alleine. Das darf so nicht sein.

Auf einer Fachtagung der HNO Ärzte in Mainz 2010 wurden meine Erfahrungen mit Morbus Menière Patienten bestätigt. So empfehle ich mittlerweile jedem Menière-Patienten zur Durchführung der intratympanalen Kortikoidtherapie, auch wenn der letzte Schub bereits Monate zurück liegt. Neben einer Verbesserung des Gehörs berichten die Patienten von einem deutlichen Rückgang des Schwindels und des Ohrgeräusches.

Kurz nach Einführung der Therapie in meiner Praxis, im Jahr 2006, stellte sich ein Patient mit den typischen Menière Beschwerden, die bereits seit 8 Wochen andauerten in meiner Sprechstunde vor. Sein Hörvermögen lag bei einer einseitigen Innenohrschwelle von 50 dB Hörverlust und er klagte über ständigen Schwindel. Nach insgesamt 7 Injektionen ging es ihm bedeutend besser, der Schwindel war verschwunden und das Hörvermögen nahezu wieder normal (!!!). Er stellte sich jedoch erst 4 Jahre später, im Herbst 2010, wieder zu Kontrolle vor. Der Grund: Er war 4 Jahre schwindelfrei!

Eine andere Dame litt seit fast 3 Monaten unter einem Ohrendruck, Hörminderung, Schwindel und Ohrgeräuschen. Es war laut ihrer Auskunft der vierte Hörsturz innerhalb von 1-2 Jahren. Jeder einzelne wurde mit Infusionen behandelt. Der letzte vor 12 Wochen jedoch ohne Erfolg. Der auswärtige Kollege äußerte bereits die Verdachtsdiagnose Morbus Menière, die sich auch in meinen audiologischen Testverfahren bestätigte. Also riet ich Ihr zur Durchführung der intratympanalen Kortikoidtherapie. Nach 5 Injektionen war der lästige Druck auf den Ohren nahezu verschwunden, vom Schwindel keine Rede mehr und das Hörvermögen hat sich auch um 30 dB auf „fast normal“ verbessert. Das Ohrgeräusch war deutlich leiser, aber nicht komplett verschwunden.

Natürlich wünsche ich mir bei jedem meiner Patienten einen so wunderbaren Ausgang. Jedoch sei darauf hingewiesen, dass es nicht immer funktioniert. Die Chancen sind gut und gerade bei Morbus Menière Patienten scheinen sie noch etwas besser zu sein. Diese Therapieoption gibt den Betroffenen wieder Hoffnung.

Fachliteratur

Gouveris H, Selivanova O, Mann W.
Eur Arch Otorhinolaryngol. 2005 Feb;262(2):131-4. Epub 2004 Apr 29.
Intratympanic dexamethasone with hyaluronic acid in the treatment of idiopathic sudden sensorineural hearing loss after failure of intravenous steroid and vasoactive therapy.

Kakehata S, Sasaki A, Oji K, Futai K, Ota S, Makinae K, Shinkawa H
Otol Neurotol. 2006 Aug;27(5):604-8
Comparison of intratympanic and intravenous dexamethasone treatment on sudden sensorineural hearing loss with diabetes.

Choung YH, Park K, Shin YR, Cho MJ
Laryngoscope. 2006 May;116(5):747-52
Intratympanic dexamethasone injection for refractory sudden sensorineural hearing loss.

intratympanale Kortikoidtherapie

Wenn Sie das Video nicht sehen können, hier der Link zu Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=o1IeC-Uezjo