Saarländische Freck

Oh leck, hann isch die Freck!

Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen zeichnen die wohl heimtückischste Erkrankung aus, die einem eingeborenen Saarländer widerfahren kann. Egal welches Geschlecht man hat, vor einer ordentlichen Freck ist man nicht gefeit.

Die saarländische Freck ist ein medizinischer Überbegriff für Erkältungskrankheiten aller Art. Die Reichweite der Freck geht von einem kleinen Schnupfen bis hin zu einer ausgeprägten Lungenentzündung.

Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Halsschmerzen und dann noch eine verstopfte Nase scheinen das saarländische Männchen im Allgemeinen etwas mehr in die Knie zu zwingen als das Weibchen.

Die wenigsten Frauen haben jedoch Verständnis für die extremen Leiden der Männer – obwohl sie es besser wissen könnten.

Frauen könnten mit den Männern mitfühlen, sofern sie in ihrem Leben schon einmal in den Wehen gelegen haben. Ähnliche starke Beschwerden scheint das Männchen während jeder Freck – sei sie auch noch so mild! – durchzumachen.

Was genau ist die Freck?

Gerne würde ich sagen, dass das Krankheitsbild des „grippalen Infektes“ den Krankheitszustand der Freck nur annähernd umschreiben könnte, doch dabei würden die psychologischen Komponenten zu kurz kommen. Die Freck beschreibt nicht nur die köperlichen, sondern auch die emmotionalen Symptome einer Erkältung. Mann könnte die „Freck“ sogar als Kombination zwischen einem grippalen Infektes und der „Flemm“ ansehen. („Isch hann die Flemm!)

Für den nicht einheimischen Leser: „Die Flemm“ ist so was wie die saarländische Version eines Burnouts.

„Ich glaab, ich frecke bald!“ schallt es in der Erkältungszeit durch die saarländische Haushalte. Es sind also anscheinend Beschwerden, die einem lebens- und existenzbedrohend vorkommen. Auch hiervon scheint das saarländische Männchen wieder etwas häufiger betroffen zu sein, als das Weibchen. Wahrscheinlich weil er sich aus seiner Geschichte noch als Alleinversorger und einzig wahrer „Schaffer“ ansieht.

„Geschafft hann mir schnell“ dauert während und nach der Freck eben länger. Damit kommt der Saarländer aber nicht zu recht.

Ursachen der Freck

Somit kann man schlussfolgern, dass die Medizin trotz ihrer enormen Fortschritte in den letzten 100 Jahren es immer noch nicht geschafft hat, diese Krankheit in ihre Schranken zu weisen.

Heimtückische Viren befallen die Krone der Evolution – den Saarländer. Wo diese Viren sich verstecken ist noch nicht bekannt. Lioner, Ur-Pils, Dippelappes, Schaales, Verheiratete und Gefillde scheinen keine Erreger-Reservoire darzustellen. Ganz im Gegenteil! Im Erkrankungsfall wird dem Saarländer sogar zum Genuss eines lauwarmen Urpils geraten. Sollte dies von einem ordentlichen Schweißausbruch gefolgt sein, steht die Genesung fast bevor.

Die einheimischen Gerichte geben dem Saarländer die Kraft, diese heimtückische Erkrankung schnell zu überwinden. „Er isst jo schon nommoh e bissje mehr wie gischda“ ist ein gutes Zeichen der Genesung.

Hier sollten dringend weitere medizinische Forschungsreihen aufgestellt werden, damit der Übeltäter frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Gibt es die Freck nur im Saarland?

Auch stellt sich die Frage, ob sich ein Nichtsaarländer – also „Eener aus dem Reich“ oder sogar ein „Pälzer“ an der saarländischen Freck anstecken könnte. Die Antwort lautet: JA! Aber…..

Man muss bedenken, dass die „Freck-Viren“ nur bei der hoch entwickelten saarländischen Spezies die vollen Symptome mit dem emotionalen Verknüpfungen auslösen können. Dieser hoch-intelligente Freck-Virus befällt nur seinesgleichen. Andere bestraft er maximal mit einem „grippalen Infekt“.

Somit kann der Bundesbürger im Allgemeinen und der Lothringer im Besonderen nicht nachfühlen, wie krank der Saarländer bei einer Freck wirklich ist. Die leiden halt nur unter einem harmlosen Infekt und niemals unter der Freck.

Sollte eine Mischehe zwischen Saarländer und einer anderen Spezies bestehen. Erntet der Saarländer also noch mehr Unverständnis über sein Krankheitsbild.

Krankenschein

Natürlich muss man der Saarländer bei einer Freck krank geschrieben werden.

Ist der Chef ein „Zuugezoohener“ und mit somit mit der Freck nicht vertraut, kann dieser auch nicht verstehen, wie ein gestandenes Männchen oder Weibchen für mindestens eine Woche komplett danieder liegt und sich nicht mehr „riwwele“ kann. Der Saarländer steht in dieser Zeit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Beahandlung der Freck

Nun stellt sich langsam die Frage der Behandlung. Wie oben bereits erwähnt soll eine Flasche lauwarmes Urpils wahre Wunder bewirken. Wer es schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass nur ein wahrer, gestandener und trainierter Saarländer dies ohne Nebenwirkungen verträgt. Den meisten wird es davon richtig übel.

Ehrlicher Weise sei gesagt, dass bis zum heutigen Zeitpunkt kein Mittel gegen die Freck erfunden wurde. Sie kommt eine Woche, bleibt eine Woche und geht eine Woche. Behandelt man die Freck mit Medikamenten, kommt die Erkrankung lediglich 7 Tage, sie bleibt auch nur noch 7 Tage und das tolle, sie verschwindet auch rasch wieder in 7 Tagen. Sie verstehen, worauf ich heraus will.

Antibiotika sind komplett wirkungslos, da sich diese gegen Bakterien richten und den Freckvirus komplett außer acht lassen. Daher verzichtet der einheimische Arzt auf Antibiotikagaben.

Man kann die heftigen Symptome jedoch abmildern.

Die Betroffenen sollten intensiv verwöhnt werden. Wenn man richtig „gehäämelt“ wird, ist die Erkrankung deutlich besser zu ertragen.

Abends und morgens muss „die Bruschd unn de Rigge“ mit Eukalyptusbalsam eingerieben werden. Die ätherischen Öle befreien die oberen Luftwege.

Die Nase sollte offen und das sich bildende Sekret in Nase und Bronchien muss fließend gehalten werden. Dazu benutzt man ein handelsübliches, abschwellendes Nasenspray und Schleimlöser auf natürlicher Basis.

Gegen den „digge Kopp“ hilft oft nur Ibuprofen oder auch Aspirin – wobei bei sensiblen Menschen Aspirin die Nase zusätzlich verstopfen kann. Hier gilt: Was an der Faasend wirkt, wirkt auch bei der Freck.

Generell braucht der Körper Ruhe. Man sollte die ersten Krankheitstage im Bett oder „off de Kautsch“ verbringen. Geht es einem nach ein paar Tagen halbwegs besser, so ist der Gang in ein Wirtshaus („enn die Wärtschafft“) zu erlauben. Am Tresen stehend, wird man von seinen „Kolleesche“ dann entsprechend bedauert und mit zahlreichen Tipps und Tricks versorgt. Schulmedizinisch bezeichnet man dies als Krankheitsgewinn.

Jedoch sollte man sich nicht wundern, wenn das abendliche Pils lauwarm serviert wird. - Der Wirt meint es nur gut mir einem.

Wiedereingliederung

Nach ein bis zwei Wochen steht man dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung und man kann seine Arbeit wieder langsam beginnen. Die Wiedereingliederungsphase dauert oft eine ganze Woche.

Fazit

Vorbeugen kann man einer Freck nicht. Es gibt zwar die Grippe-Impfung, aber keine Freck-Impfung. Auch hier ist die medizinische Forschung gefragt.

Abschließend ist zu sagen, dass die Freck eine heimtückische Erkrankung ist, welche die Krone der Schöpfung ohne Vorwarnung trifft. Wirksame Medikamente dagegen existieren nicht. Symptome der Erkrankung können mit Hausmitteln und den Segnungen der Pharmaindustrie etwas gemildert werden.

Ruhe und „Verwöhnen lassen“ sind oberstes Gebot. Wer einen Partner hat, der mit der Erkrankung vertraut ist, kommt mit der Freck bei weitem besser zu recht als jemand, der alleine lebt oder mit einem nicht sehr verständnisvollen Partner gesegnet ist.

Ich wünsche jedem Leser von Herzen eine gute Besserung!